Berichte aus der Schule

Wenn Märchen wahr werden

25 Jahre Ungarnaustausch an der Bachgauschule

Am Freitag (dem 04.04.2014) hatte sich der Schulhof der Bachgauschule in einen Märchenpark verwandelt: Prinzen wandelten manchmal gemäßigten, manchmal auch eiligen Schrittes ihres Weges, um die Prinzessin zu befreien. Sie nahmen dabei die Hilfe von bunten Vögeln in Anspruch oder sagten Zaubersprüche auf. Sie benutzten fliegende Teppiche oder fielen auf eine fiese Katze herein.
Es war das Abschlussfest des diesjährigen Schüleraustausches mit dem Karinthy-Gymnasium in Budapest.  Fünf Schülergruppen führten ihre selbst erdichteten Märchen vor. Es war das Ergebnis einer Woche gemeinsamer Arbeit an dem Thema „Märchen“. Dazu haben sie sich mit den Märchen der Gebrüder Grimm beschäftigt und in Steinau an der Straße ein Puppentheater besucht. In Frankfurt wurde das Struwwelpeter-Museum besichtigt, um schließlich eigene Ideen umzusetzen. Am letzten Tag der Schulwoche wurden die Requisiten fertiggestellt und fleißig geprobt. Nachmittags führten fünf Schülergruppen schließlich ihre eigenen Märchen vor einem begeisterten Publikum aus Mitschülern und Eltern auf.

Dieses Mal war es ein besonderer Austausch. Denn es galt ein Jubiläum zu feiern: Seit 25 Jahren fahren Bachgauschüler nach Budapest und kommen ungarische Schüler nach Babenhausen.
In einer kleinen Feierstunde erinnerte der damalige Schulleiter der Bachgauschule, Karl-Heinz Bergsträßer, an die Anfänge des Austausches. Auf Betreiben des damaligen Babenhäusener Bürgermeisters Schäfer hin, besuchte eine Delegation im Mai 1988 erstmals die ungarische Hauptstadt. Der Eiserne Vorhang war zwar gelockert, aber immer noch brauchten Deutsche für die Einreise nach Ungarn ein Visum. Davon ließen sich die Vertreter der Bachgauschule, neben Bergsträßer sein Stellvertreter Franz Fischer, nicht abschrecken. Sie wollten mit ihrem Besuch eine Schulpartnerschaft in die Wege leiten und damit „für unsere Schule einen Grundstock legen für ein weiteres Steinchen im Mosaik ‛Hoffnung auf Frieden zwischen Menschen und Völkern‛ “.
Ein Austausch mit einem osteuropäischen Land war damals sehr selten und der Mut der deutschen und ungarischen Initiatoren wurde mit einem seit 25 Jahren erfolgreichen Modell belohnt. Dass Schüleraustausche wichtig für Jugendliche sind, steht für die Schulleiterin Christina Martini-Appel, außer Frage. „Die Teilnehmer treffen sich auf einer sehr persönlichen Ebene“, meinte sie und betonte, welchen nachhaltigen Eindruck positive Erfahrungen aus der Jugend bei einem Menschen hinterlassen. Inzwischen haben seit 25 Jahren eine große Anzahl deutscher und ungarischer Schüler derartige Erfahrungen sammeln können. Die Anzahl der Austauschschüler schwankte immer wieder. In diesem Schuljahr freuten sich Claudia Matthias und Joachim Reiter, die an der Bachgauschule den Austausch begleiten, über eine besonders große Zahl von Anmeldungen. Entsprechend groß war die Besucherzahl am Abschlussfest. Hier wurde dann ein sichtbares Zeichen der Freundschaft gesetzt. Zusammen mit seinem ungarischen Kollegen Imre Kovács brachte Reiter auf dem Schulhof einen Wegweiser an: Budapest 801 km.

Und so wird das, was fast wie ein Märchen begann, hoffentlich auch als solches enden: Schüler und Schülerinnen der Bachgauschule und des Karinthy-Gymnasiums in Budapest werden sich ewig treffen.
GO

Austauschfahrt nach Ungarn vom 13.09. – 20.09.2014

Die Bachgauschule unterhält seit 1989 einen Schüleraustausch mit dem Karinthy- Frigyes Gymnasium in Budapest, das heißt, wir konnten in diesem Jahr unser 25-jähriges Austausch-Jubiläum feiern.
In jedem Jahr erfolgen zwei Austauschbesuche – im Frühjahr kommen die Schüler aus Budapest nach Babenhausen und im September reisen wir nach Ungarn zum Gegenbesuch. In diesem Jahr nahmen 19 Schülerinnen und Schüler am ersten Teil des Austausches teil, die Reise nach Budapest traten dann 17 Teilnehmer an.

Das Karinthy-Frigyes Gymnasium bietet Unterricht in drei Sprachen an – die Schule hat einen ungarischen, einen englischen und einen deutschen Zweig. Die Schüler und Schülerinnen, die an dem Austausch teilnehmen, besuchen den deutschsprachigen Zweig der Schule und sprechen recht gut Deutsch – somit kommt es innerhalb der Gruppe zu keinen nennenswerten Verständnisschwierigkeiten sprachlicher Art.

Das erleichtert auch die gemeinsame Arbeit an bestimmten Themenschwerpunkten – in diesem Jahr lautete unser Thema: "Märchen – altbekannt und neu". Das beinhaltete auch das Schreiben oder Umschreiben von Märchen und ihre Aufführung im Rahmen unserer Jubiläumsfeier an der Bachgauschule. Diese Arbeit wurde in Budapest wieder aufgenommen und es blieb nicht strikt beim Thema "Märchen", sondern es wurde auch auf andere Geschichten, z.T. aus dem ungarischen Fernsehen, zurückgegriffen. Die Arbeitsphasen an der Schule wurden zum Umschreiben und Proben genutzt. Die Schüler hatten die Idee, jeweils die Hauptfigur einer Geschichte in eine andere zu "transportieren" – eine Herausforderung an die Gruppen. Es kam am Ende zu sehr witzigen und ausgefallenen
"Produktionen".

Neben den Zeiten an der Schule, hatten unsere ungarischen Gastgeber auch Ausflüge in die Stadt und die nähere Umgebung geplant. Gleich am ersten "Arbeitstag" fuhren wir mit dem schuleigenen Bus in die Stadt und erhielten einen Eindruck der "Hauptsehenswürdigkeiten". Im Lauf der Woche  waren wir unter anderem am Donauknie, in Visegrad, wo wir anstelle der Burg die Sommerrodelbahn besuchten und anschließend in der schönen Stadt Szentendre, wo es viele Angebote für Touristen gibt – was das Einkaufen und das Essen anbelangt.

Nicht fehlen durfte natürlich ein Ausflug in die Puszta. Dort bekamen wir einen Eindruck von dem, was man typischerweise mit Ungarn verbindet: Viehhirten und virtuose Reiter auf ihren Pferden. Die Schüler durften sich auch mit der Hirtenpeitsche versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, die aber dennoch von einigen unserer Schüler und Schülerinnen zum Knallen gebracht wurde. Wer wollte, hatte auch noch die Gelegenheit eine Runde auf einem der Pferde zu drehen.
In Kecskemet kamen die Musikliebhaber auf ihre Kosten - im dortigen Musikinstrumentenmuseum, einer wirklich ausgefallenen Sammlung aller Sorten von Instrumenten. Der junge Mann, der die Instrumente vorstellte, konnte auf jedem der präsentierten Instrumente etwas zum Besten geben und auch hier hatten die Schüler  die Möglichkeit ihre eigenen Künste auszuprobieren.

Wie immer war auch ein Besuch des ungarischen Parlamentes vorgesehen, ein wirklich sehenswertes Haus, wo wir eine recht interessante Führung hatten, die uns auch einen Einblick in die Geschichte Ungarns gab.

Ein letzter Höhepunkt war dann die Jubiläumsfeier zum 25. Geburtstag der Schulpartnerschaft mit dem Karinthy Gymnasium, zu dem auch Gäste aus Frankenthal angereist waren. Natürlich gab es die dem Anlass angemessenen  Reden von Schulleitern und Kollegen, aber auch zahlreiche Beiträge von Schülern oder Schülergruppen der Schulen, bevor wir uns bei Speis und Trank dem gemütlichen Teil des Abends zuwandten.

Claudia Matthias